Anleitung: Abziehen einer Klinge

In einem vorherigen Artikel wurde erklärt, wie man das Schärfen eines Messers mit dem Lansky Standard-Schärfset durchführt. Nach dem man die Klinge, hoffentlich nach dieser Anleitung, geschliffen hat, sollte man die Klinge, besser gesagt, die Schneide, abziehen.

Das Abziehen ist eigentlich nichts anderes als ein weiteres Schleifen, nur mit einem Schleifmittel, das feiner und nicht gebunden ist. Das Schleifmittel muss auf jeden Fall feiner sein als der letzte Stein, mit dem man das Messer geschliffen hat.

Als Trägermaterial für das Schleifmittel dient in unserem Fall ein Stück Leder. Das Leder sollte eine gute Qualität haben. Man kann hierzu lohgargegerbtes Blankleder nehmen. Auch geht ein alter Gürtel, jedoch sollte dieser keine Nähte besitzen.

Das Leder kann so auf den Tisch gelegt werden, jedoch ist die Handhabung nicht optimal. Aus diesem Grund basteln wir uns einen Halter.

  • ein gehobeltes Vierkantholz zwischen 30-50mm (je nach Lederbreite)
  • einen Streifen Leder
  • Kontaktkleber
  • eine Stockschraube M5-M6
  • altes Feilenheft (geht auch ein neues)
  • 2 Komponentenkleber und Schmirgelleinen bei Bedarf.

 

Zusammenbau:

Zuerst wird das Vierkanntholz auf eine Länge von 20 bis 25 cm gekürzt und die Kanten eine wenig gerundet. Auf die Stirnseite wird mittig ein kleines Loch für die Stockschraube gebohrt. In dieses Loch wird nun die Stockschraube eingedreht. Dann wird das Feilenheft entsprechend der anderen Seite der Stockschraube gebohrt. Auch diese Bohrung muss ein wenig kleiner sein als die Stockschraube. Sollte man zu groß gebohrt haben, wird das Loch mit einem 2 Komponentenkleber gefüllt und dann gefügt.

Zuerst bei dem Leder die Fleischseite leicht anrauen. Das Gleiche auch mit dem Holz machen. Dann auf beiden Seiten den Kleber auftragen und diesen so lange ablüften lassen, bis dieser sich Trocken anfühlt. Nun werden beide Seiten aufeinander gebracht. Bei dieser Art von Kleber ist nicht die Dauer des Druckes wichtig, sondern seine Stärke. Man kann ruhig mit einem Fäustel das Leder „anklopfen“.

 

Nun ist die Abziehhilfe fertig zum Benutzen.

Jetzt bringen wir, je nach Größe des Leders, eine ca. erbsengroße Menge Schleifmittel auf. Dieses wird mit dem Finger richtig in das Leder massiert. Sollte das Leder sehr hart sein, kann man vorher einen Tropfen Ballistol einmassieren. Jedoch nicht zu viel Öl, da das Leder dann zu weich wird.

Bitte nicht zu viel Schleifmittel verwenden. Die angegebene Menge reicht aus. Mit einem Messer sehr flach auf die Paste drücken, damit diese noch besser eingebettet wird. So werden die Schleifmittelkörner in das Leder gedrückt.

Man beachte in diesem Zusammenhang: je feiner (kleiner in der Körnung) das Schleifmittel ist, desto härter muss das Trägermaterial ausfallen. Aus diesem Grund wird auch die glatte Seite des Leders verwendet. Bei einer feinen Diamantpaste kann es passieren, dass die Körner sich so tief in das Material betten, dass man keinen Abtrag mehr hat. Hier sollte man sich ein anderes Trägermaterial suchen.

Nun lässt man das Ganze trocknen. Dies kann ein paar Stunden dauern. Aus diesem Grund kann man noch auf eine andere Seite des Holzes ein Lederstreifen kleben. Bitte aber nur Schleifmittel mit einer Körnung  je Halter verwenden, damit es zu keiner Verschleppung vom groben auf feines Korn kommt.

Hat man es trocknen lassen, kann man mit dem Abziehen beginnen. Dazu fährt man mit der Klinge in Richtung Rücken über das Leder.

Das erfolgt mit leichtem Druck, damit die Schneide nicht zu stark in das Leder sinkt und dadurch ballig werden würde.

Auch ist darauf zu achten, dass man nicht mit der Seite anfängt auf der der Grat steht. Das ist die Kehrseite der Seite, die man zu Letzt geschliffen hat. Man kann den Grat auch mit dem Fingernagel ertasten, sonst würde man sich das Schleifmittel gleich abkratzen.

Dies wiederholt man so lange, bis der Grat nicht mehr zu sehen ist.

Tipp

Sollte trotz wiederholten Abziehen, immer noch ein Grat zu sehen sein, dann kann man die Klinge durch ein Stück Hartholz ziehen. Da bleibt der Grat meistens hängen.

Danach noch mal abziehen.

Ist der Grat nun entfernt,kann man die Schärfe testen. Dazu nimmt man ein Stück Wellpappe oder Tonkarton. Mit der Klinge fährt man nun durch die Pappe/Karton. Die Schnittkante muss glatt und ohne Fransen zu sehen sein.

Besser noch, man streicht sich im Abziehwinkel über die Oberarme. (Vorsicht Schnittgefahr!) Dies macht man mit beiden Seiten. Es sollten in beideRichtungen die Haare fallen. Geschieht das nur in eine Richtung, dann ist noch ein Grat an der Schneide.

Dieser „Rasiertest“ geht aber nicht mit jedem Stahl. Besonders die hochlegierten Stähle geben das nicht immer her.

 

Warum überhaupt abziehen?

Durch ein sauberes Abziehen kann man die ganze Leistungsfähigkeit des Stahls ausnutzen. Zieht man nicht ab, ist das Messer anfänglich trotzdem „scharf“, doch dieser Grat legt sich schnell um und das Messer schneidet nicht mehr in der Qualität wie zuvor.

 

Messerschneide zweier Messer nach dem Schleifen mit einem Lansky Stein 1000
Messerschneide nach dem Schleifen mit einem Lansky Stein 1000
Messerschneide zweier Messer nach dem Abziehen mit Siliziumkarbid Paste
Messerschneide nach dem Abziehen mit Siliziumkarbid Paste
Messerschneide nach dem Schleifen mit einem Lansky Stein 1000
Messerschneide nach dem Schleifen mit einem Lansky Stein 1000
Messerschneide nach dem Abziehen mit Siliziumkarbid Paste
Messerschneide nach dem Abziehen mit Siliziumkarbid Paste

Nachtrag

Sollte nach ein paar Messer die Oberfläche nicht mehr greifen, dann kann man, wie oben beschrieben, wieder ein wenig Schleifpaste auftragen.  Nach einer gewissen Zeit wird zu viel Paste und Abrieb vorhanden sein. Dann die Oberfläche mit ein wenig  Spiritus oder Isopropanol benetzen und den alten Auftrag mit einem Tuch abreiben. Das Leder gut trockenen lassen und dann von Neuen beginnen.

Haben Sie Fragen zu diesem Artikel?

Gerne wird der Autor, Dirk Schleicher, Ihre Fragen in den Kommentaren beantworten.

 

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