Nehmen Sie kein Blatt vor den Mund – erfolgreich Blatten

Blattjagd

Die Blattjagd auf den Rehbock ist eine äußerst reizvolle und lohnende Jagdart – und gar nicht so schwer zu erlernen.

In aller Herrgottsfrühe ist der Jäger zum Blattstand am Waldrand geschlichen. Nach der obligatorischen, in Ruhe und weitgehender Reglosigkeit verbrachten Viertelstunde, führt er den Blatter an die Lippen. Er erzeugt eine Reihe quäkender Töne – das Angstgeschrei einer vom brünstigen Bock bedrängten Ricke. Mit der anderen Hand bricht der Waidmann ein paar dünne Zweige ab und kratzt mit einem dieser Zweige einige Male energisch über den Waldboden: So wird das Fegen und Plätzen des Bocks, mit dem dieser die auserwählte Ricke zu beeindrucken bedenkt, akustisch nachgeahmt. Dann wieder Stille. Doch es dauert nicht lange, da lässt sich ein Rauschen von Blättern und ab und zu ein leises Knacken vernehmen. Der eifersüchtige Platzbock eilt herbei, um den vermeintlichen, vom Jäger imitierten Rivalen aus seinem Einstand zu vertreiben. Wer dieses grandiose Schauspiel einmal erlebt hat, der ist von da an süchtig – blattjagdsüchtig.

Was ist Blattjagd eigentlich?

Blattjagd ist eine Form der Lockjagd, die während der Brunftzeit der Rehe stattfindet. Beim Blatten werden verschiedene Lautäußerungen des Rehwilds nachgeahmt, die den Rehbock herbeilocken sollen, damit der Jäger ihn erlegen kann. Früher wurde zur Erzeugung dieser Töne tatsächlich ein Blatt oder ein Grashalm verwendet – daher der Name Blattjagd. Heute ist eine Vielzahl von Lockern, auch Blatter oder Rehblatter genannt, auf dem Markt. Mit diesen Lockern gelingt es mit ein wenig Übung sehr leicht, die gewünschten Töne täuschend echt hervorzubringen.

Blattjagdstand
Obwohl der Jäger beim Blatten mit leichtem Gepäck unterwegs ist, benötigt er doch einige wichtige Ausrüstungsgegenstände.

Was braucht man für die Blattjagd?

Neben selbstverständlichen Voraussetzungen wie einem gültigen Jagdschein, einem geeigneten Revier und einer gut schießenden Waffe benötigt man für die Blattjagd einige spezielle Ausrüstungsgegenstände. In erster Linie ist das natürlich ein Rehblatter. Es gibt da eine große Auswahl an verschiedenen Fabrikaten, die ihren Zweck eigentlich alle erfüllen (siehe auch: Welcher Blatter ist der beste?).

Ein äußerst wichtiger Punkt bei der Blattjagd ist die Tarnung: Die Böcke können bei der Blattjagd von allen Seiten anwechseln, es ist daher besonders wichtig, dass sie den Jäger nicht frühzeitig eräugen. Tarnhandschuhe und eventuell sogar eine Gesichtsmaske sind empfehlenswert. Entscheidend ist natürlich auch, dass der Blattstand gut verblendet ist. Das kann mit Zweigen oder Tarnnetzen erfolgen.

Viele Jäger üben die Blattjagd von Sitzen oder Ständen in Bodennähe aus. Dabei ist natürlich unbedingt auf Kugelfang zu achten. Die naheliegende Begründung für Blattjagd vom Boden aus ist, dass Rehe bekanntlich nicht auf Bäume klettern. Ob Rehböcke es aus der Entfernung wirklich hören können, dass der lockende Fieplaut aus der luftigen Höhe einer Kanzel abgegeben wird, sei einmal dahingestellt. Es gibt ein gewichtigeres Argument für einen leichten und transportablen Bodensitz: Dieser ermöglicht es nämlich dem Jäger, nach einem geeigneten, Erfolg versprechenden Platz für das Blatten Ausschau zu halten und seinen Blattstand in der Nähe der Einstände zu errichten. Ein Ansitzschirm in Verbindung mit einer Sitzgelegenheit – Sitzstock, Rucksack- oder Klappstuhl – ist dafür ideal.

Ansitzschirme mit kleinem Sichtfenster sind jedoch eher ungeeignet, freie Rundumsicht ist erforderlich. Sehr sinnvoll ist eine Kombination aus einem Stück Tarnnetz mit zwei bis drei Aufstellstangen. Diese Kombination lässt sich nicht nur bei der Blattjagd sinnvoll einsetzen, sondern leistet zum Beispiel auch beim Ansitz am Bau oder dem Kartoffelacker gute Dienste.

Blattjagd
Der Buttolo-Blatter wird, im Unterschied zu den meisten anderen Rehblattern, mit der Hand bedient. Der Vorteil: Der Jäger kann fast kein falsches Geräusch von sich ergeben und damit den Bock „verblatten“. Nachteil: Zum Schießen muss der Buttolo erst aus der Hand gelegt werden.

Welcher Blatter ist der beste?

Viele Jäger schwören auf einen bestimmten Blatter, mit dem sie besonders gut klarkommen. Auch wenn es gewisse Unterschiede in Qualität und Handhabung gibt, sind dies doch überwiegend subjektive Vorlieben. Vielen der auf dem Markt befindlichen Blatter erfüllen ihren Zweck. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch in der Art und Weise, in der die Töne erzeugt werden. Am verbreitetsten sind Mundblatter, bei denen die Töne durch eine schwingende Zunge, ähnlich wie bei einer Klarinette, erzeugt werden. Bei modernen Blattern besteht diese Zunge aus Kunststoff. Mundblatter ermöglichen es, eine große Vielfalt verschiedener Töne vom Kitzfiep bis zum Angstgeschrei hervorzubringen und abwechslungsreich zu modulieren.

Beim Buttolo-Handblatter wird der Ton durch einen Druck auf eine Art Blasebalg erzeugt. Das ist ideal für Jäger, die Probleme damit haben, mit einem Mundblatter den richtigen Ton zu treffen. Nachteil ist jedoch, dass man, anders als beim Mundblatter, im Bedarfsfall nicht beide Hände frei hat. Auch elektronische Locker sind im Angebot, deren Verwendung jedoch in Deutschland nicht legal ist.

Rehblatter-Set
Es gibt auch Kombiangebote bestehend aus Blatter und DVD. Damit kann der Jäger zuhause solange üben, bis der Ton mit der Anleitung übereinstimmt.

Wie lernt man blatten?

Blatten lernen ist eigentlich nicht schwer. Wer halbwegs musikalisch ist, wird keine großen Schwierigkeiten dabei haben, die erforderlichen Töne zu erzeugen. Eine große Hilfe sind die CDs oder DVDs mit Hörbeispielen, die vielen Rehblattern beim Kauf beiliegen. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Videos, auf denen ausgewiesene Blattjagdexperten genau erklären, welche Töne in welcher Situation empfehlenswert sind. Auch der Besuch eines Seminars bei erfahrenen Lockjägern lohnt sich sehr. Lockjagdexperten sind oft auf Jagdmessen zu Gast, wo man dann gleich den Blatter seiner Wahl erwerben kann. Manche Jagdschulen oder Jagdverbände bieten ebenfalls entsprechende Kurse an. Der Rest ist Übung und Erfahrung, wie so oft bei der Jagd.

Welche Lautäußerungen des Rehwilds werden beim Blatten imitiert?

Bei der Blattjagd werden verschiedene Lautäußerungen des Rehwilds nachgeahmt: Vom normalen Fieplaut, der dem Bock signalisiert, dass Rehwild in der Nähe ist, über den Rickenfiep der brunftigen Ricke bis zum Sprengfiep. Letzterer wird von der Ricke hervorgebracht, wenn sie von einem Bock bedrängt wird und soll den eifersüchtigen Platzbock anlocken. Diese eingangs geschilderte Methode der Blattjagd heißt daher auch Eifersuchtsblatten. Dabei kann das Plätzen und Fegen des Rehbocks, wie beschrieben, nachgemacht werden. Bei einer weiteren Variante versucht der Jäger, mit dem Kitzfiep die Ricke anzulocken in der Hoffnung, dass der Bock ihr folgt. Das lässt sich noch steigern mit dem Angstgeschrei des Kitzes, das besorgte Ricken zuverlässig zustehen lässt.

Wie blattet man?

Über den richtigen Einsatz der verschiedenen „Blattstrophen“ gehen die Meinungen auseinander. Viele renommierte Blattjagdexperten empfehlen, zunächst einmal verhalten, mit einigen eher leisen Fieplauten, zu beginnen. Eine Serie besteht aus drei bis neun Fieplauten. Nach der ersten verhaltenen Strophe steigert man Lautstärke und / oder Intensität, wobei zwischen jeder Fieparie eine Pause von etwa zehn Minuten eingelegt werden sollte. In diesen Pausen muss man aufmerksam, aber mucksmäuschenstill und regungslos verharren, um die Annäherung des Bocks so früh wie möglich wahrzunehmen und den Bock nicht zu vergrämen.

Den ersten leisen Fieplauten folgt nun eine lautere Serie, nach einer weiteren Pause der Rickenfiep, dann das Angstgeschrei der Ricke. Andere Jäger sparen sich den verhaltenen Part und beginnen gleich mit dem Rickenfiep oder Angstgeschrei. Welche Strategie erfolgversprechend ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend dürfte der Zeitpunkt sein: Steht der Bock bei der brunftigen Ricke, so dürfte er, wenn überhaupt, nur mit eher drastischen Klängen von der Liebsten wegzulocken sein. Bleibt der Erfolg an einem Stand aus, so wechselt man einer Wartezeit von etwa 30 Minuten den Blattstand.

Blattjagd
Keine Ungeduld: Zwischen den einzelnen Strophen sollte man etwa 10 Minuten Pause machen.

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Blattjagd?

Die Brunft der Ricken wird durch verschiedene Faktoren ausgelöst. Eine wichtige Rolle spielt die Länge der Tage, aber auch Wetter und Äsungsbedingungen wirken sich auf das Brunftgeschehen und damit die Blattjagd-Aussichten aus. Der Brunftzeitpunkt ist folglich auch von der Höhenlage und der geografischen Lage des Reviers abhängig. Im mitteleuropäischen Flachland spielt sich die Brunft des Rehwilds grob gesagt von Mitte Juli bis Mitte August ab. Dabei kann man unterscheiden zwischen Vorbrunft, Hauptbrunft und Nachbrunft. Zu Beginn der Brunft kann es durchaus gelingen, einen Bock auf das Fiepen zum Zustehen zu bringen. In der Regel ist zu Beginn der Blattzeit die Zahl brunftiger Ricken jedoch noch so hoch, dass Böcke eher schlecht aufs Blatt springen. In der Hauptbrunft stehen die Böcke zu fest bei den brunftigen Stücken, am vielversprechendsten ist daher die Nachbrunft, die ungefähr in den ersten zwei Augustwochen stattfindet. Dies ist die beste Zeit für die Blattjagd.

Blattjagd kann zu verschiedenen Tageszeiten mit Aussicht auf Erfolg ausgeübt werden: Der nicht ganz so frühe Morgen, der nicht zu späte Abend sind gute Zeiten, aber auch vormittags ist es aussichtsreich. Sieht man die Böcke die Ricken treiben, so ist dies stets ein guter Zeitpunkt.

Welcher Ort ist für die Blattjagd geeignet?

Jeder Revierteil, an dem sich Rehwild aufhält, ist grundsätzlich auch für die Blattjagd geeignet. Voraussetzung ist natürlich, dass sich ein Blattjagdstand in guter Deckung einrichten lässt. Lichtungen, Blößen oder Wiesen sind folglich eher ungeeignet. Ideal ist es natürlich, wenn die Einstände der jagdbaren Böcke bekannt sind, in deren Nähe sind dann auch die besten Blattstände.

Blattjagd
Mit seiner stabilen, aber drehbaren Auflage bietet sich ein dreibeiniger Zielstock an. So ganz frei ohne Tarnschirm ist eine gute Tarnung umso wichtiger.

Was ist Blattjagd-Wetter?

Wenn es sehr kalt, nass und stürmisch ist, sind die Aussichten, bei der Blattjagd Erfolg zu haben, eher gering. Ist es hingegen extrem heiß, so verlagert sich die Brunft in die kühleren Morgen- und Abendstunden. Ideal sind Wetterbedingungen, bei denen das Rehwild auch sonst auf den Läufen ist, also zum Beispiel wenn nach einer längeren Regenphase die Sonne wieder scheint.

Was muss ich sonst noch beim Blatten beachten?

Entscheidend ist, wie bei allen Jagdarten, die Beachtung des Windes. Auch die leidenschaftlichsten Fieptöne werden den Bock nicht zum Zustehen bewegen, wenn er den Jäger wittert. Ansonsten ist, insbesondere bei der Jagd vom Boden aus, der Sicherheit allererste Priorität einzuräumen. Auch wenn der Bock anwechselt, muss die Umgebung im Auge behalten und unbedingt auf Kugelfang und Schussrichtung geachtet werden. Mit einem hektischen Griff zur Waffe hat sich schon mancher Jäger um den Erfolg bei der Bockjagd gemacht. Das schnelle Ansprechen und unauffällige In-Anschlag-gehen muss man ein bisschen üben. Aber das lohnt sich, denn die Blattjagd ist eine der spannendsten und lohnendsten Jagdarten.

4 Antworten

    1. Hallo Herr Ferenz,
      unser Tipp: versuchen Sie es mit dem Buttolo Blatter. Da hier die Töne nicht mit dem Mund erzeugt werden müssen, wie bei vielen Musikinstrumenten, tun sich „unmusikalischere“ Jäger oft etwas leichter.

      Ihr Frankonia-Team

  1. Sehr geehrte Frankonia-Ratgeber,

    Ihr mehrfach geäußerter Hinweis: „… unbedingt auf Kugelfang achten …“ ist unter dem Sicherheitsaspekt gewiss unerlässlich, erscheint mir aber eher theoretischer Natur; denn der Rehbock wird sich beim Anwechseln nicht um die Geländebeschaffenheit kümmern noch darum, ob sich hinter seinem Rücken oder jenseits seiner Breitseite eine Löswand oder ähnliche Kugelfänge befinden – so dass, zumindest beim Bodenansitz, auf den ansonsten sicheren Schuss verzichtet werden sollte, wenn eine solche Gegebenheit nicht vorhanden ist … Ist Ihr Rat dahingehend richtig interpretiert?

    1. Das ist richtig, Sicherheit hat bei der Jagd immer oberste Priorität. Die Regel, dass ohne Kugelfang die Kugel im Lauf bleiben muss, gilt immer – ohne Ausnahme. Man kann sich als Jäger aber in gewisser Weise darauf vorbereiten, indem der Bodensitz oder der Blattstand so im Gelände errichtet wird, dass die Richtung, in der man das Wild vermutet, natürlichen Kugelfang hat.

      Viele Grüße und Waidmannsheil
      Ihr FRANKONIA Team

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