Der gerade Weg ist der schnellere

Wohl jeder Jäger wird schon mal einen 98er in der Hand gehabt haben. Die einen führen seit vielen Jahrzehnten einen solchen Repetierer mit dem millionenfach bewährten Mausersystem auf der Jagd, andere mussten sich zumindest in der Jägerausbildung damit näher befassen. Geschätzt wird von der Jägerschaft vor allem an diesem weltweit verbreiteten System die absolute Zuverlässigkeit und Robustheit. Ursprünglich für den militärischen Einsatz entwickelt, gilt der 1898 von den Brüdern Paul und Wilhelm Mauser in Oberndorf am Neckar konstruierte Mehrlader als quasi unverwüstlich. Mit fünf Patronen im Magazin ist hohe Feuerkraft gegeben. Die Schlagbolzensicherung schützt vor unbeabsichtigter Zündung. Die Bezeichnung „98er“ bezieht sich im Übrigen auf das Jahr 1898, als dieses Verschlusssystem durch die preußischen Behörden erstmals zugelassen wurde.

98er-Modelle sind weiterhin gefragt, besonders in der Kombination „klassischer Look mit modernen Features“. Hier sehen Sie einen Einblick in die 98er-Fertigung bei FRANKONIA.

Geradezug vereinfacht den Repetiervorgang

Als die Firma Blaser aus Isny im Jahr 1993 mit der R93 erstmals mit einem Geradezugrepetierer auf den jagdlichen Markt kam, hielten das viele Jäger zunächst für eine exotische Blüte. Doch die Vorzüge dieser Waffenkonstruktion überzeugte sehr bald selbst konservative Jäger und das Modell wurde zu einem Meilenstein in der Waffengeschichte. Beim Repetieren reduzierte sich der Bewegungsablauf von vier (98er) auf zwei. Und diese zwei Repetiervorgänge spielten sich ausschließlich auf der horizontalen Ebene ab, hielten das Gewehr auch besser in der Waage. Einmal zurück, einmal vor, und der Schütze war deutlich schneller wieder schussbereit und im Ziel. Deshalb bevorzugen zum Beispiel Biathleten dieses System. Weitere Vorteile dieser Waffenkonstruktion: Der Lauf ist problemlos zu wechseln, das Zielfernrohr lässt sich tief montieren, und in puncto Sicherheit ist mit einer Handspannung hohe Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit gegeben.

Geradezugrepetierer, wie dieser Blaser R93, ermöglichen eine einfache und niedrige Zielfernrohrmontage.

Seit mehr als zehn Jahren auch mit herausnehmbarem Magazin

Im Jahr 2010 stellte Blaser dann mit der R8 den Nachfolger der R93 vor. Dieser erfüllte den vielfach geäußerten Wunsch nach einem herausnehmbaren Magazin, das nun mit der Abzugseinheit verbunden ist. Ohne eingeführtes Magazin kann die R8 nicht mehr abgefeuert werden und ist damit absolut sicher. Andere namhafte Hersteller schlossen sich bald dem Trend zum Geradezug an. Merkel ging mit der Helix erfolgreich in den Markt. Diese echte Take-Down kommt mit dem halben Repetierweg aus, der zudem in einem geschlossenen System verläuft. Dadurch kommt dem Schützen beim Repetieren nichts entgegen, was ein höheres Sicherheitsgefühl verleiht. Heym und viele andere folgten mit weiteren modifizierten Geradezug-Konstruktionen. Das neueste Modell auf dem Markt ist die Haenel Jaeger NXT.

Hier eine kurze Übersicht über die aktuell verfügbaren jagdlichen Geradezugmodelle:

Merkel RX Helix 

Blaser R8 

Browning Maral  

Steel Action HS / HM    

Heym SR30 

Pirkan Ase Lynx TD15 

Strasser RS 14        

Innogun Integral      

Rößler Titan 16                                            

Savage Impulse Haenel Jaeger NXT 

Folgende Geradezugmodelle werden nicht mehr produziert:

Fortner/Anschütz Biathlon 

Mauser M96 

Blaser R93 

Strasser RS 05 

Browning Acera

Die Merkel Helix lässt sich durch das 1:2 übersetzte System sehr schnell repetieren.

Das richtige Werkzeug für die Erfordernisse der heutigen Jagd

Der Siegeszug der Ritsch-Ratsch-Repetierer, wie die Geradezugrepetierer gern in Jägerkreisen genannt werden, hat auch etwas mit der veränderten jagdlichen Situation in unseren Revieren zu tun. Die Schalenwildbestände sind in Deutschland wie in ganz Mitteleuropa erheblich angestiegen – speziell beim Schwarzwild. Gleichzeitig verlor die Flintenjagd durch den erschreckenden Rückgang des Niederwildes immer mehr an Bedeutung. Nur mit traditioneller Ansitzjagd war man diesen Herausforderungen nicht mehr gewachsen. Erntejagden und großangelegte Drückjagden entpuppten sich als das Mittel der Wahl. Der große Aufwand für solche Ereignisse soll natürlich dann auch ordentlich Strecke bringen. Dementsprechend hoch ist der Bedarf an guten Schützen, die in der Lage sind, ihre Chancen effektiv zu nutzen.

Forstjagd
In vielen Revieren wird heute ein Großteil der Strecke im Zuge von Drückjagden erlegt.

Größere Strecken auf Drückjagden

Während in früheren Zeiten Jäger schon mit einem Frischling auf der Drückjagd gefeiert wurden, befindet man sich heute damit meistens unter „ferner liefen“. Firme Schützen mit drei, vier oder mehr Stücken sind in heutigen Zeiten keine Seltenheit mehr. Diese hohe Ausbeute wird zusätzlich gefördert, durch die Tatsache, dass im Gegensatz zu früher auf den meisten Drückjagden heute auch Rehe freigegeben werden. Vor allem in staatlichen Revieren wird höchsten Wert auf hohe Rehwildstrecken gelegt und die Teilnehmer bei der Begrüßung entsprechend angefeuert … 

Auf so einer Schneise ist eine schnelle Schussfolge vonnöten.

Schneller repetiert, schneller wieder im Ziel

Wer sich aktuell auf herbstlichen Gemeinschaftsjagden umschaut, wird überwiegend Geradezugrepetierer im Einsatz sehen. Selbst eher konservative Vertreter führen unterdessen solche Büchsen, weil sie von den technischen Vorteilen überzeugt sind. Danach befragt, heben sie vor allem die hohe Feuerkraft hervor und die ruhige Lage in der Schulter beim Schuss und Repetiervorgang (jetzt noch zusätzlich gefördert durch Schalldämpfer). So erhöhen sich die Chancen, auf ein 2. oder 3. Stück in Rotte oder Rudel fertig zu werden. Das Gleiche gilt für die Doublette auf Kalb/Alttier oder Kitz/Ricke.

Bei den Verkaufszahlen überwiegen heute Geradezugrepetierer.

Ritsch-Ratsch mit hoher Funktionalität

Die Waffentechnik hat sich den jagdlichen Verhältnissen angepasst. Die Geradezugrepetierer decken die Bedürfnisse ideal ab und sind deshalb zu einem neuen Standard für effiziente Schalenwildjagd geworden. Auch wenn die meisten Ausführungen keinen Schönheitspreis gewinnen und nicht die Ästhetik einer feinen Doppel- oder Kipplaufbüchse für sich in Anspruch nehmen können, punkten die Ritsch-Ratsch mit hoher Funktionalität. Das galt damals vor 100 Jahren auch schon für den guten alten 98er. Wie heißt es so schön: „Das Bessere ist des Guten Feind“. Glücklicherweise hat jeder Jäger die freie Wahl. Am Ende zählt nicht das Werkzeug, sondern der Steuermann.

Weil Zuverlässigkeit bei der Großwildjagd das wichtigste Kriterium ist, konnte dort das robuste 98er-System am längsten durchhalten. Aber auch hier mischen inzwischen andere mit.

11 Antworten

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    wenn Sie die ja technisch fabelhafte Geradezug-Technik mit der aktuellen Doktrin einer brutalisierten Jagd verbinden, möchte ich aber eher auf Selbstladebüchsen hinweisen, deren endgültiger Imagewandel bestimmt bevorsteht. Ich erinnere mich z.B. an die Jagdausführung der HK G3 mit dem legendären Polygonlauf. Dieser Typus ist wesentlich geigneter für einen partiellen Totalabschuss. Nebenbei aber einen Zusammenhang von Treib-Drückjagd auf Schalenwild zum fast nicht mehr praktizieren jagdlichen Flintenschießen zu ziehen, mit seiner latent sportlichen Note, halte ich für gewagt. Verderben Sie mir nicht die eifrigen und bemühten jungen Jöger.

    Mit freundlichem Gruß aus Berlin

  2. Ein technischer Fortschritt ist der Geradezugrepetierer sicherlich und es bringt vielleicht ein Bruchteil einer Sekunde die man schneller ist. Aber eine Seele haben die Waffen von Blaser nun wirklich nicht, das wird man mit zusammengeschusterten CNC gefrästen Teilen wohl auch nie hinbekommen.
    Auf der Jagd ist es sicherlich Ansichtssache was für eine Waffe ich führe. Nichts desto trotz sollte sie gediegen aussehen, funktional und sicher sein. Die Waffe muss zum Charakter des Schützen passen, eben eine Seele haben und nicht nur funktionieren. Zu einem edlen Handwerk wie der Jagd gehört aus meiner Sicht eine edle Waffe. Und es geht halt nicht nur ums Strecke machen um jeden Preis. Wir sollten die Jagd nicht auf die reine technische Seite der Schussabgabe reduzieren.

    1. Was nutzt eine „Seele“ wenn die Waffe nicht mal einen Bierdeckel auf 100 Meter trifft? Dieses Gerede von der „edlen Waffe“ für’s „edle Handwerk“ kann ich echt nicht mehr hören. Mir ist jemand, der mit einem AR10 auf die Jagd geht und trifft immer lieber als jemand, der einen gravierten 10.000 € + x Drilling führt und das WIld nur krank schießt. Denn, zumindest für mich, ist das Waidwerk dann waidmännisch wenn der Kreatur beim Erlegen das geringstmögliche Leid zugefügt wird. Und ob jemand diesen Anspruch hat oder nicht hängt nicht am Repetiersystem der Waffe sondern am Jäger. Und sie werden’s kaum glauben: auch mit einem Halbautomaten kann man nur einen einzelnen, gezielten Schuß abgeben. Das scheint vielen nicht klar zu sein. Ich glaube langsam, dass hier von sich selbst auf andere geschlossen wird, frei nach dem Motto „wenn ich die Möglichkeit hätte würde ich’s tun, also tun’s die, die die Möglichkeit haben bestimmt auch!“

  3. Die ganzen Neuerungen, die jetzt dem Jäger erlaubt sind, zollt wohl dem neuen Jäger mit wenig Zeit und einem gekürzten Lehrgang zur Erlangung des ersten Jahresjagdscheines „Respekt.“ Nachtsichtgeräte, Wärmebildkameras, Schalldämpfer. Zumindest Schalldämpfer zählten zu den verbotenen Gegenständen § 19 BJg. Wo gibt man dem Wild noch Überlebenschance, wenn immer mehr Technik zur Anwendung kommt? Wo ist das Ursprüngliche, das Wild zu jagen und nicht nur abzuschießen? Wo sitzt man noch tagelang auf der Lauer? Mir tun diese „Jäger“ ein wenig leid. Auf Jagd zu gehen, das Wild zu überlisten und dann Beute machen, das ist meine Vorstellung. Sie passt nicht mehr in die heutige Zeit. Wildmanagement, Statistiken und ungewöhnliche Auseinandersetzungen mir BUND, Nabu und allen anderen „Wildschützern.“ Denen werden Kompetenzen eingeräumt, die sie nicht haben. Die Jäger geben dem Druck des Mainstreames nach. Nur ein Beispiel : Die Bejagung des Fuchses in Berlin und Brandenburg. Die „Bewirtschaftung “ des Wolfes, ein anderes Thema. Zu viele Unwägbarkeiten durch unsere naturfremde Bevölkerung. Wir haben keine Urwälder mehr. Das deutsche Land ist stark besiedelt und läßt nur wenig Platz für unsere Umwelt. Und was die noch alles leisten soll! Freidays for futscher// 98 iger führe ich seit 1993 mit deutschem Stecher. Wunderbare Waffe!

  4. Nun ja, die Welt wie vor gut 100 Jahren haben wir sicherlich nicht mehr. Auch, wenn wir statt der spanischen Grippe uns jetzt seit knapp 2 Jahren mit Corona rumschlagen. Da sind die technischen Möglichkeiten jetzt doch andere als vor gut 100 Jahren…

    Einen Porsche fahre ich nicht um ihn immer auszufahren sondern um das Gefühl und die Möglichkeit zu haben es zu können wenn ich möchte. Einen Geradezugrepetierer führt man aus dem gleichen Grund. In verantwortungsvollen Händen ist dieser eine Bereicherung der Jagd um vielleicht noch etwas weidgerechter jagen zu können. Der erste Schuss sollte trotzdem immer sitzen. Das sollte das ganze bestreben sein. Niemand kann sich allerdings vor Fehlern ausschliessen. Diese schnell beheben zu können ist mit so einem Werkzeug vielleicht ein Weg dahin für den 2ten Schuss. Auch, wenn ein 98er System im jagdlichen Sinne eine gute Entwicklung und eine wunderbare Waffe ist gehen wir auch mit der Zeit und ergreifen vielleicht die Vorteile die es uns bieten kann wenn wir wollen!

    Kleiner Blick um die „Ecke“ auch wenn es vielleicht hier nicht ganz dazu passt sondern sich eher in das Gegenteil verkehrt:
    Nebenbei soll die Jagd (mit dem Bogen!) im urbanen Bereich der Städte nicht unerwähnt bleiben. Städte wie Madrid/Spanien zeigen uns aktuell mit Versuchen/Projekten wo die Reise hierzu hingehen kann, wenn die Schwarzkittel sich in den Vororten wohlfühlen und Gewehre zu laut sind (z.B. Nachtjagd) und zur Beunruhigung der Bevölkerung führen.. In Deutschland verboten (noch), aber innovativen Massnahmen sollte man sich nicht verschliessen und vielleicht ist dies auch ein Weg zum Ziel. Dieses Handwerk haben wir schon vor über 2000 Jahren gekonnt und nicht erst mit dem Gewehr gelernt. Nur war es damals wohl doch noch fairer!
    In diesem Sinne.

  5. Wo genau haben Sie denn ein Problem mit Schalldämpfern? Diese dienen der Gesunderhaltung von Mensch und Tier und sind durchweg nur zu begrüßen! Auch Nachsichtgeräte und Wärmebildkameras leisten einen erheblichen Beitrag zu waidgerechten Jagd. Was war ich nicht auf Nachsuchen auf Schwarzwild weil schußgeile Jäger, die auf der Lauer saßen um das Wild zu überlisten, Nachts mittig auf einen schwarzen Batzen schossen von dem man nicht mal wusste wo vorne und hinten ist. Das hat sich seit 2 – 3 Jahren ehrheblich reduziert! Natürlich nimmt man der Jagd bei zuviel technischem Schnickschnack ein wenig an Spannung und ich empfehle meinen Jungjägern immer in den ersten 3 Jahren „klassisch“ zu jagen weil man viel dabei lernt (und so die Vorteile der Technik auch erst richtig zu schätzen weiß) – aber das ist völlig unabhängig von der Länge des Jagdkurses. Ich hatte selbst noch 1,5 Jahre Kurs – und nutze erwähnte Technik auch gerne.

  6. EIn Geradzugrepetierer lässt gerade Jungjäger dazu verleiten, mehr Schüsse abzugeben und den ersten vielleicht nicht allzu sauber zu setzen, man kann ja ggf. nochmal schnell nachlegen. Noch schlimmer wird dieses Verhalten mit Halbautomaten! Gerade aus unseren Nachbarrevieren hören wir oft, wie „schnell“ 3 (manchmal sogar 5?!) Schüsse schnell abgegeben werden. Ein sauberes, waidgerechtes Trefferbild kann ich mir da nur schwer vorstellen!

    Dem Tier zuliebe: Einmal sauber, statt 3 mal unsauber treffen, sollte die höchste Maxime des Jägers sein. Und wie immer sollte gelten: Lieber den Finger gerade lassen, mit gutem Gewissen heimfahren statt unnötiges Leid über unsere wilden Freunde zu bringen.

    Waidmannsheil

  7. Interessant, viele Jäger viele Meinungen!
    Auf welche Art oder mit welchem Repetiersystem ein Stück Wild zur Strecke kommt ist mir eigentlich gleich, solange der Kreatur damit kein Leid zugefügt wird und es einen schnellen Tod zur Folge hat.

    Fortschritt der Technik sollte man nutzen!
    Wärmebildkameras halte ich , wenn sie zu jeder Tages und Nachtzeit benutzt werden
    gerade in kleineren Revieren für kontraproduktiv. Das Wild wird auf Dauer immer heimlicher und dann kommt die Aussage, wir haben kein Schwarzwild mehr!

    Ein befreundeter älterer Jäger aus der ehem. DDR schießt auch heute noch die stärksten und ältesten Keiler mit seiner Flinte und Brenneke, weil er es kann!!!

    Und genau darauf kommt es an, nämlich mit gutem Instinkt und allen Sinnen zu Jagen,
    sein Werkzeug im Schlaf bedienen zu können und sein Revier und die darin vorkommenden Wildarten aus dem FF zu kennen .

    Es lebe bei allem, die Achtung vor der Kreatur und der Schöpfung

    Waidmannsheil

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