Rückblick: Drückjagden ja, aber mit Handicaps

Herbstlich bunte Wälder, schneeverhangene Dickungen, Treiberrufe, das Geläut von Hunden, Brechen herannahenden Wildes – die Drückjagdzeit in heimischen Revieren bringt viele Jäger auf die Läufe. Dann wird gemeinsam auf Schalenwild gejagt, häufig über Reviergrenzen hinweg. Ein echtes Kontrastprogramm zur individuellen Einzeljagd in den Sommermonaten. Aber nicht allein das Streckemachen, das Zusammenwirken vieler Schützen, Treiber und Hundeführer in der freien Wildbahn steht als Credo hinter solchen Veranstaltungen. Das Treffen vor oder nach einer Drückjagd, das Streckelegen, Überreichen der Brüche, ein gemütliches Schüsseltreiben runden solche Veranstaltungen erst richtig ab und machen sie zu einem kleinen Jägerfest oder Jäger-Event im heutigen Sprachgebrauch. Mancherorts noch gewürzt durch ein unterhaltsames Jagdgericht. So stellte sich das dar, bevor uns Corona erreichte und viele Regeln und Bräuche außer Kraft setzte. Einerseits dürfen Jäger froh sein, Gemeinschaftsjagden zu veranstalten. Andererseits werden diese Jagden durch strenge Auflagen zu reinen Streckenbeschaffungsmaßnahmen. Abschusserfüllung ja, Geselligkeit nein.

Bei der Wildbergung kommt man sich näher, deshalb ist ein Mund-Nasen-Schutz notwendig.

Das Drumherum fällt weg

Der Wert vieler zuvor selbstverständlicher Dinge wird häufig erst dann klar, wenn sie nicht mehr da sind. Das lässt sich bei Drückjagden in Corona-Zeiten deutlich ablesen: Das morgendliche Treffen am Sammelplatz, das Wiedersehen mit alten Bekannten, die teilweise von weither angereist sind, fällt plötzlich weg. Nach der Jagd – beim Wildbergen, Aufbrechen und Streckelegen kamen sich Jäger näher, konnten Kontakte knüpfen, sich austauschen. Und wer sich die Zeit nahm, zum gemeinsamen Essen zu bleiben, hatte das komplette grüne Wellness-Paket gebucht. Viele Freundschaften sind bei diesen Gelegenheiten geknüpft worden durch ein grünes Band, die gemeinsame Passion.

Das lockere Zusammensein nach gemeinsamer Jagd fällt in Zeiten der Pandemie leider unter den Tisch

Beiwerk und Brauchtum – Opfer der Pandemie

In Corona-Zeiten fällt dies alles zwangsläufig weg. Wahrscheinlich müssen die Teilnehmer froh sein, dass überhaupt gemeinschaftlich gejagt werden darf. Immerhin wurde die jagdliche Tätigkeit von oberster Stelle als „systemrelevant“ eingestuft. Und so werden Drückjagden eine reine Pflichtübung zur Wildbestandsregulierung. Natürlich bietet das immer noch spannendes Waidwerk – allerdings ohne den geselligen Faktor und das schmückende Beiwerk. Viele vermissen das. Das mag Jammern auf hohem Niveau sein, aber es belegt auch, dass es vielen Teilnehmern an Drückjagden nicht einzig und allein um das Streckemachen geht. Jagd ist mehr als nur Wildbestandsregulierung oder Abschussplanerfüllung. Es bleibt nur zu hoffen, dass die jetzige Situation bald beendet sein wird – nicht nur aus jagdlicher Perspektive! Aber das ist in Jägerkreisen zur Zeit nicht das einzige Problem.

Die neue Jagdpraxis: Jeder Schütze bleibt im Auto, bis er vom Ansteller zu seinem Stand navigiert wird.

Corona ist nicht das einzige Problem

Mehr Pflicht als Kür droht auch von anderer Seite. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) frisst sich immer tiefer von Osten her in die Bundesrepublik ein. Mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern sind schon drei Bundesländer betroffen. Trotz aller Präventiv-Maßnahmen scheint dieser Seuchenzug kaum aufzuhalten sein. Insofern sollten die Jäger froh sein, wenn sie Drückjagden veranstalten dürfen, auch wenn in Gefährdungsgebieten eine Menge Auflagen zu berücksichtigen sind. Trotzdem: Jedes Wildschwein, dass durch anständige Jagd zur Strecke kommt, ist besser als eines, das im Wald verludert gefunden wird.

Alle erlegten Stücke sollten auf den ASP-Virus untersucht werden

Vorsichtsmaßnahmen gegen die ASP

In einem Informationsblatt des Landwirtschaftsministeriums von Mecklenburg-Vorpommern sind Verhaltensempfehlungen aufgeführt, um einer Infektion und Verbreitung von ASP vorzubeugen. Auch Jäger in Gebieten, die weit entfernt von aktuellen Infektionsgebieten liegen, sollten sich schon mal kundig machen. Die Seuche kann springen und von einem Tag auf den anderen vor Ort sein. Weit weg zu sein von den Seuchenherden bedeutet deshalb beileibe keine Sicherheit.

Die Keiler sind in der Rauschzeit über große Strecken unterwegs und können bei Infektion das Virus weit verbreiten

2 Antworten

  1. Mit diesem Artikel bringen Sie zum Ausdruck, und sprechen mir aus der Seele, was uns „Altvorderen“ viele Jahre nicht nur eine schöne Gewohnheit war, sondern auch Pflege einer jagdflichen Tradition bedeutete. Gemeinschaftliches Jagen und Jagdkultur sowie Jagdfreundschaft pflegen war eine lieb gewonnene Selbstverständlichkeit, auf die wir in der letzten Zeit leider zum großen Teil verzichten mußten.
    Dennoch sind wir unserer gesellschaftlichen Verpflichtung, nämlich der intensiven Bejagung des Schwarzwildes nachgekommen, und hoffen damit einen Beitrag zur Eindämmung bzw. Verbreitung des ASP-Virus beigetragen zu haben.
    Hoffen wir, das sowohl die ASP als auch Corona bald der Vergangenheit angehören.

    Waidmannsheil

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