Mit dem Wind jagen

Windprüfung mit Rauchbombe

Für jede Jagdart sind verschiedene Vorbereitungen zu treffen. Ansitz oder Pirsch, Einzel- oder Gemeinschaftsansitz, Wald- oder Feldjagd – die Jagd ist erfreulich vielseitig! Wie bei einem guten Handwerken ist für alle Aktivitäten dieser Art eine gewisse Rüstzeit notwendig. Wie bei einem guten Handwerker. Nur richtig gerüstet, wird sich Erfolg einstellen. Deshalb ist gute Planung die halbe Miete. Eine Frage spielt bei all diesen Einsätzen einen zentrale Rolle: Was haben wir für Wind?

Hohe Kanzel
Und ist der Hochsitz auch noch so hoch, ganz aus dem Wind kommt man nicht.

Wild hat eine feine Nase

Und diese Frage ist bei den feinen Sinnen unseres Wildes mehr als berechtigt. Es äugt hervorragend, das Schwarzwild allerdings nur auf kurze Distanz. Dafür ist bei unseren Sauen das Gehör umso sensibler ausgeprägt, genauso wie bei den anderen Schalenwildarten und beim Raubwild. Was alle Säugetierarten durch die Bank auszeichnet, ist eine ausgesprochen feine Nase. Menschlichen Geruch können sie bis auf mehrere hundert Meter wahrnehmen. Die menschliche Duftnote scheint für die empfindlichen Riechorgane unseres Wildes sehr penetrant zu sein. Vielleicht ist es auch der Tatsache geschuldet, dass wir beim Wild in unseren Breiten als „gefährlichster Beutegreifer“ im Feindvermeidungsverhalten manifestiert sind.

Fuchs nimmt Witterung auf
Das feine Näschen des Fuchses hat etwas wahrgenommen.

Wo viel Jagddruck und/oder wenig Menschenbewegung herrscht, reagiert das Wild sehr empfindlich auf eine Brise Mensch. In stark frequentierten Erholungsgebieten geht es gelassener damit um, kann zwischen (harmlosen) Spaziergängern und einem leise anschleichenden Jäger gut unterscheiden. Deshalb lohnt es sich manchmal für den Jägersmann, mit der auffällig lauten Spaziergängermasche sich anzunähern, als sich in Indianerart auf leisen Sohlen heranzuschleichen.

Nur wer die Gefahr kennt …

Wer einmal in unberührter Wildnis jagt, wird feststellen, dass die dortigen Tiere bei einer Begegnung mit Menschen neugierig und oft wenig beunruhigt reagiert, weil sie mit unserem Geruch keine schlechten Erfahrungen verknüpfen. Wir erleben auch bei uns, dass Wildtiere, die lange Zeit nicht bejagt wurden (Intervalljagd, Wildruhezonen), weniger Scheu vor dem Menschen an den Tag legen.

Rudel Kolbenhirsche
Der küselnde Wind hat einen Luftzug des Jägers hinübergetragen und lässt das Kolbenhirschrudel kritisch verhoffen.

Wind auf die richtige Art prüfen

Vor jeder jagdlichen Unternehmung sollte der Wind sorgfältig geprüft werden. Möglichst an einer freien Stelle, an der keine Verwirbelungen das Ergebnis verfälschen. Die Aussagen des Wetterdienstes sind meistens großräumig und allgemein gehalten. Vor Ort kann das ganz anders aussehen. Wer eine Wetterfahne montiert hat, ist schon mal im Vorteil. Raucher haben zwecks Windprüfung einen guten Grund, sich eine anzustecken. Die einfachste Hilfe ist selbst für Nichtraucher ein Feuerzeug.

Feuerzeug im Wind
Klein, handlich und auch für Nichtraucher geeignet. Windprüfung mit dem Feuerzeug.

Seifenblasen oder Babypuder sind ebenfalls bewährte Hilfsmittel, um die Windrichtung festzustellen. Wer sich lieber digital orientiert, dem seien die sehr zuverlässigen (kostenlosen) Agrar-Wettervorhersagen von BASF oder BAYER empfohlen, die es auch als App gibt. Bewährt haben sich auch Abschnitte von Magnetbändern aus alten Musikkassetten. Am oder im Sichtbereich des Hochsitzes verkünden sie durchgehend, woher der Wind vor Ort kommt. Schließlich kann sich die Luftströmung auch während des Ansitzes verändern.

Pustefix
Seifenblasen zeigen die Windrichtung über einige Meter an.

Soll der Jäger zu Hause bleiben?

Wenn der Wind jagt, soll der Jäger zu Hause bleiben – an dieser Jägerweisheit ist was Wahres dran. Wenn’s kräftig weht oder gar stürmt, lässt sich meistens nur wenig Wild blicken. Man kann sich aber auch eine solche Wetterlage zunutze machen. Gerade das windempfindliche Rehwild mit seinen kurzen Äsungsintervallen sucht dann gezielt Plätze auf, die im Windschatten liegen. Kräftiger Wind erleichtert zudem das Pirschen. Die eigenen Geräusche gehen bei diesen Verhältnissen unter, und das Wild kann bei einem lauten „Grundrauschen“ selber schlechter vernehmen. Es wechselt deshalb gern aus einem geräuschstarken Umfeld, wie zum Beispiel Mais, auf offene Flächen oder in den Wald.

Hochsitz, Kanzel
Besonders an der Wald-Feld-Kante muss man mit überschlagenden Winden rechnen.

Der Küselwind ist ein Luftkarussell

Wenn nur ein laues Lüftchen weht, dann dreht der Wind gern, er küselt. Die Gefahr, bei einem Ansitz unter solchen Vorzeichen anblicklos zu bleiben und das ganze Umfeld zu verstänkern, ist groß. Das Wild wird vergrämt und verduftet. Bei einem Versuch mit einer auf dem Hochsitz im Wald gezündeten Rauchbombe füllte die Rauchfahne schon nach kurzer Zeit einen Bereich von etwa 120 Grad aus. Und nach einer halben Stunde war quasi die ganze Umgebung „kontaminiert“. Speziell vor der Platzierung einer neuen Ansitzeinrichtung lohnt es sich, ausgiebige Test zu machen. Wäre sonst schade um den ganzen Aufwand. Wichtig ist das vor allem wegen der möglichen Fallwinde an der Wald/Feldgrenze, an Geländekanten oder Waldschneisen.

Windprüfung mit Rauchbombe
Windprüfung mit Rauchbombe
Eine Rauchbombe im Hochsitz demonstriert, wie sich der Wind innerhalb kurzer Zeit verändert.

Ein Filter gegen schlechte Luft

Es gibt seit einiger Zeit noch eine Möglichkeit, die verräterische menschliche Ausdünstung zu unterdrücken. Selbst bei Rückenwind. Das geschieht durch eingearbeitete Filter in der Kleidung. Diese Entwicklung stammt aus dem militärischen Bereich und funktioniert erstaunlich gut. Allerdings muss man sich von Kopf bis Fuß damit „versiegeln“. Das ist nicht jedermanns Sache. Bogenschützen, die sehr nah an das Wild heranmüssen, um einen Pfeil sicher abzuschießen, bevorzugen solches Material. Wild, das in den Bereich dieser gefilterten Luft zieht, stutzt zwar manchmal, scheint aber keine wirkliche Gefahr zu wittern. Hund und Zigaretten müssen dann allerdings zu Hause bleiben.

Eine Antwort

  1. Lieben Dank für die vielen Tipps zur richtigen Jagdvorbereitung! Meinem Cousin werden sie sicherlich sehr von Nutzen sein. Noch ist er nämlich ein Anfänger und sammelt seine ersten Jagderfahrungen. Passend dazu möchte ich auch sein Geburtstagsgeschenk auswählen und ihn mit der richtigen Jagdbekleidung beglücken. Ich hoffe sehr, dass ich das Richtige auswählen und ihm ein Lächeln ins Gesicht zaubern werde.

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