Stolze Erpel werden im August zu „lahmen“ Enten

Stockerpel im Schlichtkleid (©K.Reitmeier/piclease)

Während sich im Sommer zahllose Badegäste an den Gewässern tummeln, wird es um die Wasservögel eher ruhig. Ab Ende Juli beginnt für die Enten die Mauserzeit. Im Jahresverlauf unterliegen Federn einer starken Beanspruchung und werden daher bei der Mauser regelmäßig erneuert. Enten verlieren ihr gesamtes Großgefieder, das heißt, auch die Schwingen- und Steuerfedern. Sie sind dann für bis zu vier Wochen flugunfähig und in dieser Zeit besonders schutzbedürftig. Jetzt benötigen sie Ruhezonen noch dringlicher als sonst.

Stockenten im Schlichtkleid (©Astrid Brillen/piclease)
Stockenten im Schlichtkleid (©Astrid Brillen/piclease)

Bei unseren Entenarten können wir die prächtig gefärbten Erpel von den meist schlicht braun gefärbten weiblichen Enten leicht unterscheiden. Wissenschaftler sprechen hier von ausgeprägtem Geschlechtsdimorphismus. Bei unseren Stockenten, die fast auf allen Gewässern vorkommen, trägt der Erpel einen grün schillernden Kopf, einen weißen Halsring und so genannte „Erpellocken“, also aufgerollten Schwanzspitzen. Das Weibchen im braunen Tarnkleid fällt daneben kaum auf.

Stockentenpaar (©R.Siegel/piclease)
Stockentenpaar (©R.Siegel/piclease)

Während der Mauser ändert sich das: Die Stockerpel verlieren ihr Prachtkleid und erscheinen für einige Wochen ähnlich den braun gezeichneten Weibchen. Einzig ihr gelb gefärbter Schnabel kennzeichnet sie noch. Bis in den Oktober dauert es, bis den Erpeln ihr leuchtendes Prachtkleid nachgewachsen ist und sie im Herbst bereits auf Brautschau gehen. Bei den weiblichen Enten setzt die Mauser meist etwas später ein als bei den Erpeln, da sie noch mit der Aufzucht ihrer Jungschar beschäftigt sind. Aber auch sie sind während des Wechsels des Großgefieders für einige Zeit flugunfähig.

Stockerpel im Schlichtkleid (©K.Reitmeier/piclease)
Stockerpel im Schlichtkleid (©K.Reitmeier/piclease)

Stolze Erpel werden zu schüchternen Enten – und benötigen Rücksicht und Ruhezonen

Zur Mauser suchen Enten besonders geschützte Gebiete auf, die auch weit entfernt vom Brutgebiet liegen können. Als sogenannten „Mauser-Gruppen“ können wir dann bis zu mehrere tausend Vögel finden. Insbesondere für unsere seltenen Entenarten wie beispielsweise Knäk-, Löffel-, Kolben- oder Tafelente sind deshalb Ruhezonen von besonderer Bedeutung. Große Mausergebiete sind meist nur an unzugänglichen Bereichen großer Seen und Flüsse zu finden. Während dieser Zeit ändern die flugunfähigen Enten auch ihr Verhalten. Die Neubildung des Gefieders kostet viel Energie. Auch die Wärmeisolation ist während dieser Zeit stark eingeschränkt. So werden selbst stolze Erpel zu scheuen Vögeln, die sich ins Schilf oder abgeschiedene Bereiche des Gewässers zurückziehen und viel ruhen.

Schilfgürtel und Verlandungszone als wichtige Ruhezone für Wasserwild (©C.Martin/piclease)
Schilfgürtel und Verlandungszone als wichtige Ruhezone für Wasserwild (©C.Martin/piclease)

In dieser Zeit benötigen sie Rücksicht durch uns Menschen. Freizeitnutzer können schnell zu Störfaktoren werden, zum Beispiel, wenn Ruhezonen nicht beachtet werden. Das inzwischen beliebte StandUpPaddeling (SUP) gilt für Enten während der Brutzeit, aber insbesondere auch während der Mauser, als besondere Bedrohung, wenn zu nahe an die Ruhezonen und Schilfgürtel gepaddelt wird. Ähnliches gilt für Kanufahrer und andere Freizeitnutzer. So schön für uns der Aufenthalt in der Natur sein kann, so gefährlich können Störungen für unser Wasserwild sein. Hier gilt es auch, Hunde nicht unbeaufsichtigt schwimmen zu lassen, für die flugunfähige Enten leichtes Spiel sind.

Mausernder Stockerpel (©A.Deepen-Wieczorek/piclease)
Mausernder Stockerpel (©A.Deepen-Wieczorek/piclease)

Mauser wird durch Hormone gesteuert

Die Mauserzyklen sind artspezifisch und abhängig vom Brutgeschehen und der Zugzeit. Die Mauser wird von den Keimdrüsenhormonen gesteuert. Entsprechend wird das Prachtkleid oder das Schlichtkleid gebildet. Besonders hohe Bedeutung hat dies für Zugvögel, denn die Erneuerung des Großgefieders muss abgeschlossen sein, bevor sie in die Winterquartiere ziehen.  

Mausergebiet Rieselfelder bei Münster (©C.Martin/piclease)
Mausergebiet Rieselfelder bei Münster (©C.Martin/piclease)

Ramsargebiete

Eines der ältesten internationalen Vertragswerke im Naturschutz ist die 1971 abgeschlossene Ramsar-Konvention. Benannt nach der iranischen Stadt am Kaspischen Meer, wo das Übereinkommen unterzeichnet wurde, dient es dem Schutz von Feuchtgebieten von internationaler Bedeutung insbesondere für Wat- und Wasservögel. In Deutschland sind 34 Gebiete als Ramsar-Gebiete ausgewiesen. Dazu zählen beispielsweise die Rieselfelder bei Münster, das Steinhuder Meer, Teile des Bodensees, der Starnberger See oder der Ismaninger Speichersee, die jährlich für Tausende von mausernden Entenvögel Rastplätze von internationaler Bedeutung sind.

Ramsar-Gebiet Unterer Inn (©U.Kay-Blum)
Ramsar-Gebiet Unterer Inn (©U.Kay-Blum)
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