Sommersauen richtig ansprechen

Sommerbache im hohen Gras

Gegenstand einer der größten Jägerträume ist ein uriger Keiler, der durch den Schnee pflügt. Oder auch eine große Rotte, die im bunten Herbstwald den Stand anwechselt. Herbst und Winter sind die klassischen, die idealen Schwarzwild-Jagdzeiten – ob auf der Drückjagd oder auf der Einzeljagd bei Mond. Zudem bringen die Frischlinge zu dieser Jahreszeit schon richtig Gewicht auf die Waage.

Überläufer am Sonnenblumenfeld
Auf dem Rückweg aus dem Sonnenblumenfeld erfolgreich abgepasst

Im Feld droht Wildschaden

Doch bei den stark angestiegenen Schwarzwildbeständen muss auch im Sommer zur Büchse gegriffen werden – vor allem im Feld. Sonst droht nicht nur schlechte Laune in den Reihen der Jagdgenossen, sondern auch eine saftige Wildschaden-Rechnung. Dass jede erlegte Sau auch eine gute Tat im Sinne der ASP-Prävention bedeutet, bedarf in heutiger Zeit fast keiner Erwähnung mehr.

Wildschadenkontrolle mit Bauer
Der Schaden treibt manchem Pächter im Sommer den Schweiß auf die Stirn

Blick unter den Bauch notwendig

Die Bejagung unserer geliebten Borstenfraktion ist im Sommer schon etwas „tricky“ und birgt eine Menge Risiken. Die größte Gefahr ist eindeutig der versehentliche Abschuss einer führenden Bache mit abhängigen Frischlingen. Die untere Körperhälfte der kurzläufigen Sauen wird sehr häufig von der Vegetation verdeckt. Um bei größeren Stücken (ab Überläufer) sicher ansprechen zu können, braucht man zwingend einen Blick unter den Bauch. Nur so lässt sich feststellen: führend oder nichtführend. Also Milchleiste oder jungfräulich glatt oder mit unterladener Pistole.

Sommerbache im hohen Gras
Großer Rahmen, langer Wurf und keine erkennbaren Waffen: mit Sicherheit also kein Keiler

Welche Stücke führen in der Rotte

Wenn Frischlinge dabei sind, ist bei einem einzelnen erwachsenen Stück alles klar. In einer Rotte mit mehreren großen Sauen und Frischlingen wird es schwieriger festzustellen, ob auch Stücke dabei sind, die nicht führen. Im Sommer befinden sich noch Frischlinge vom Vorjahr, jetzt also Überläufer, im Rottenverband. Die männlichen Überläufer setzen sich irgendwann aus eigenem Antrieb ab. Zu anhängliche Muttersöhnchen werden von der Matriarchin konsequent vertrieben.

Schwarzwildrotte im Gras
Mit Sicherheit ist ein passendes Stück dabei, aber welches, denn vorn rechts sind Frischlinge zu sehen

Die Sauen haben das Sagen

Es bleiben also vorwiegend die Töchter im Familienverband, der grundsätzlich stets ein Frauentruppe ist. Aber auch die Teenager können bereits Nachwuchs führen, die in dem ganzen Frischlingsgewusel einer Rotte mitlaufen. Es bleibt also dabei: Wer sich nicht eines Muttermordes schuldig machen will, muss das anvisierte Schwein vorher bauchfrei gesehen haben.

Bache, Überläufer, Frischlinge
Vorn eindeutig Bache, aber führt auch einer von den Überläufern?

Adoption funktioniert nicht

Die Behauptung, das mutterlose Frösche von anderen Bachen adoptiert werden, ist leider nur ein frommer Wunsch. Schon der bekannte DDR-Schwarzwildforscher und -filmer Heinz Meynhardt belegte, der Schwarzwild-Nachwuchs saugt spätestens drei Wochen nach der Geburt zitzentreu. Und an diese Quelle kommt kein anderer mehr ran. Wer sich bei der Sommerjagd nur auf Größe, Figur oder Haarwechsel verlässt, geht ein verflucht hohes Risiko zu Lasten des Wildes ein. Wenn’s um Wildschaden geht, im Zweifel lieber einen Frischling erlegen. Das nimmt die Bache übel und bleibt dem Schlag erstmal fern. Vor allem, wenn das Mini-Schweinchen im Schuss noch klagen sollte.

Bache auf Waldweg
Die Bache sichert, bevor die Frischlinge nachkommen dürfen.

Sommerkeiler: ein kompletter Genuss

Zum Thema Keiler: Auch wenn der Winterkeiler Sinnbild für Urigkeit dieses wehrhaften Wildes ist, es besteht im Winterhalbjahr immer die Gefahr, dass er rauschig und damit nicht zu verwerten ist. Nur um das Gewaff an die Wand zu bekommen, sollte der Schuss nicht fallen. Ein Sommerkeiler sieht zwar nicht so imposant aus, dafür hat man aber Freude an dem ganzen Stück.

Sommerkeiler im Getreide
Sommerkeiler sind zwar nicht so imposant, aber mit Sicherheit gut zu verwerten

Vorteile der Sommerbejagung

Die Bejagung im Sommer ist also mit einigen Haken und Ösen versehen. Aber es gibt auch Vorteile. Die Nächte sind kurz und damit sind die borstigen Gesellen auch spätabends oder frühmorgens noch bei Licht unterwegs – vor allem in ungestörten Revieren. So muss der Jäger nicht nur im Zwielicht oder bei Mond den Sauen auf die Schwarte rücken. Gerne suchen die Schweine auch über Tage verschwiegene Suhlen auf, um zu schöpfen und ein erfrischendes Bad zu nehmen.

Überläufer im Wald
In ungestörten Revieren bummeln die Überläufer auch gern noch bei gutem Licht durch den Bestand

Auch wenn im Sommer stets die Gefahr des Verhitzens besteht, die Nächte sind kurz. Deshalb ist die Chance groß, dass das Stück am nächsten Morgen ohne Probleme verwertet werden kann. Für das Verhitzen ist nicht allein die Temperatur ausschlaggebend. Gefährlich ist vor allem schwüle, stickige Witterung in den Spätsommermonaten. Dann muss das Stück manchmal schon  wenige Stunden nach dem Schuss verworfen werden. Für das Finden eines abends beschossenen Stückes, das noch geflüchtet ist, gibt es jetzt eine neue Hilfe: die Wärmebildkamera. Unterdessen wird diese Technik sogar schon als Zusatz im Handy angeboten. Natürlich nur auf kurze Entfernung. Aber für eine Totsuche reicht’s, und es gibt weder eine unruhige Nacht, noch eine böse Überraschung am nächsten Morgen.

Überläuferkeiler auf Schneise
Schneisen sind zum Ansprechen und Schießen wichtig. Hier gibt es keine Zweifel: ein Überläuferkeiler

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