Kitzrettung im LJV Rheinland Pfalz / HEgering Puderbach
Montag, 4:15. Während Ulf, Anja und Marion die Drohne und das Zubehör startklar machen, treffen die anderen Helfer ein. Johannes, Lukas, Olli und Juliane unterstützen die anderen dabei, acht Flächen mit insgesamt knapp zehn Hektar abzufliegen. Der Landwirt hat am Tag vorher entschieden zu mähen, das ist spontan, aber die gute Absprache macht die Arbeit leicht. Nach wenigen Minuten hebt die Drohne das erste Mal für heute ab, die Kartierung hat Ulf abends schon gespeichert. Kaum am Ende der ersten Bahn auf der langen Wiese angelangt, erscheint eine helle Stelle am Übergang zu einem Feuchtgebiet. Die Signatur ist verräterisch, Anja und Lukas bestätigen es vor Ort: das erste Kitz des Tages ist gefunden. Während die beiden es sichern, finden Johannes und Ulf den Zwilling per Drohne einige Meter weiter. Sicher im Karton erleben sie die Mahd eine halbe Stunde später. Schon kurz darauf werden sie wieder in die Freiheit entlassen und von der Ricke übernommen. Fläche für Fläche geht's weiter, ein paar Mäuse, Betten und Erdlöcher später ist das Team in diesem Revier fertig. Ulf verabschiedet sich ins Büro, Johannes und Lukas sind jetzt an der Fernbedienung. Nach kurzer Fahrt ist das Team im zweiten Revier. Durch viele einzeln stehende Bäume kommt die Drohne an ihre Grenzen, sodass das „Bodenpersonal" die Suche zu Fuß unterstützt. Nachdem auch in diesen Wiesen kein Kitz mehr gefunden wird, kann der Landwirt direkt mähen. Die Ausrüstung wird verstaut und die Helfer fahren zur Arbeit, den Nachwuchs in den Kindergarten oder noch zu einem verdienten FeierabendKaffee in die örtliche Bäckerei. Aber egal, wohin sie fahren, etwas haben sie gemeinsam: das Bild der beiden Kitze vor Augen und ein breites Grinsen im Gesicht. So oder so ähnlich laufen die Einsätze der Drohnenstaffel des Hegerings Puderbach zwischen Anfang Mai und Ende Juni. Fast täglich gibt es bei trockenem Wetter viel zu tun, umso schöner, dass sich inzwischen fast 30 Freiwillige gefunden haben, die sich als Piloten und Bodenpersonal für das Tierwohl einsetzen. Das Besondere an dem Team ist die Mischung, vom Schüler bis zum pensionierten Förster, Nicht-Jägerin, Jungjäger und alter Hase, von zwei bis 70 Jahre – alles ist vertreten. Nachdem wir uns im vergangenen Jahr nach langer Diskussion entschieden hatten, in die Wildtierrettung per Drohne einzusteigen, flogen wir knapp 20 Einsätze. Im zweiten Jahr hat sich diese Zahl bis Anfang Juni mehr als verdoppelt, wodurch wir viel gelernt haben und noch effizienter arbeiten können. Nun stehen 45 gerettete Kitze, drei Junghasen und eine „entflohene” Wachtel zu Buche, die ohne den Einsatz der Drohne kaum eine Chance gehabt hätten, dem Mähwerk zu entkommen. Wir sind trotz der kurzen Nächte mit wachsender Begeisterung dabei und freuen uns schon jetzt auf die kommenden Aufgaben und das abschließende Grillfest mit der ganzen Truppe
