Kitzrettung

0430 Uhr auf den Höhen des Saargaus an der Grenze zu Frankreich. Das Gewitter der letzten Nacht hat den Auftrag der auf uns wartet nicht einfacher gemacht. Wir, das sind die Jäger des Reviers Merzig-Büdingen die heute mal im eignen Revier auf Rehkitzsuche sind. In den letzten 4 Wochen unterstützten wir benachbarte und befreundete Reviere in Merzig- Schwemlingen/ Hilbringen/ Bethingen sowie in Mettlach und Losheim am See mit unserer Wärmebilddrohne. Vor dem heutigen Einsatz haben wir bereits die beachtliche Zahl von 74 geretteten Kitzen erreicht. Damit sind wir schon weit über unserem Vorjahresergebnis von 59 Kitzen und die Mähsaison ist leider noch nicht zu Ende. Das Gras hat Anfang Juni die stattliche Höhe von 1,40m erreicht und liegt jetzt geneigt durch das nächtliche Gewitter und bietet allen Bodenbrüter und auch auch den Rehkitzen hervorragende Deckung gegen Prädatoren. Alle Kitzretter kennen diese Problematik und wissen das es mal wieder schwierig werden wird. Vor uns liegt eine 14 Hektar große Wiesenfläche an deren höchster Stelle wir uns mit unserer Ausrüstung positioniert haben. Eine Drohne Mavic 2 mit zusätzlichem großen Betrachtungsbildschirm für den Piloten sowie Setzkörbe und Funkgeräte für die “Läufer”. An exponierten Stellen der Wiesenfläche verteilen sich die 4 “Läufer” und warten auf die Anweisung des Piloten um lokalisierte Rehkitze zu sichern. Die Drohen hebt ab und überfliegt in 50m Höhe die Fläche. Kurz nach dem Start die erste Meldung: Läufer 2 in 200m auf 4Uhr Kitz aufgespürt. Die Drohne geht zur Überprüfung etwas tiefer und es sind tatsächlich die Konturen eines Kitzes. Der Läufer 2 setzt sich in Marsch. Eile ist angesagt da die Akkuleistung ein limitierender Faktor ist. 20m voraus/ jetzt noch 4m / geh auf 2 Uhr noch m2 noch 1m/ vor dir liegt es klingt es aus dem Funkgerät. Obwohl der Läufer direkt vor dem Kitz steht erkennt er es nicht, zu tief hat es sich in das geneigte Gras an den Boden gedrückt. Erst nach dem der Läufer sanft das Gras zur Seite geschoben hat sieht er es. Ein Kitz erst wenige Tage alt und noch völlig ohne Fluchtreflex. Sanft legt der Läufer den Fangkorb über das Kitz und fixiert den Korb mit über Kreuzgespannten Expandern und am Boden befestigten Heringen. Ein rot weißer Markierungsstab wird dem Landwirt später die Fundstelle anzeigen und ihm die Möglichkeit des Umfahrens geben. Sollten wir noch vor dem Eintreffen des Mähers genügend Zeit haben versetzen wir das Kitz an den nahen Waldrand. Im Moment ist es jedoch erstmal sicher. Während dieses Kitz aufgefunden und gesichert wurde ist die Drohne schon längst wieder weiter geflogen und hat die nächsten Kitze aufgespürt. Diesmal ein Zwillingspärchen das die Ricke nur wenige Meter auseinander abgelegt hat. Beide werden gesichert und kurz danach ertönt auch schon das Kitzfiepen aus den Körben und die Ricke hebt ihr Haupt keine 30m entfernt. Sie äugt nach Ihrem Nachwuchs und kann doch im Moment nichts für sie tun. Später wenn die Mahd vorbei ist wird sie kommen und Ihre Zwillinge locken und in sicheres Gefilde führen. Nach weitern 3 Stunden Suche konnten wir insgesamt 8 Kitze vor dem sicheren Mähtod bewahren. Ein gutes Gefühl das uns die zeitlich, oft vor der Arbeit, fordernde Aufgabe der Kitzrettung bis zum Ende der Mähsaison mit einem Lächeln bestehen lässt.
