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Jagderlebnis: ehrenamtlicher Biberberater im Unterallgäu

ehrenamtlicher Biberberater im Unterallgäu

von Florian H. R. aus Allgäu

Ich bin ehrenamtlicher Biberberater im Unterallgäu. Bei meiner Tätigkeit berate ich weniger die Biber sondern eher die Menschen welche “Probleme” mit dem Biber haben. Die “Probleme” gehen von überschwemmten Wiesen/Wäldern über Verbissschäden in Wäldern und Privatgärten. Wir Biberberater versuchen hier mit den Geschädigten Lösungen und Wege zu finden dass die Biber und Mensch gemeinsam leben können.

Im Sommer 2022 wurde ich von einem befreundeten Jäger gerufen da sich ein junger Biber in einem abgelassenen Fischweiher befunden hat. Der Fischweiher wurde kurz zuvor für Sanierungsmassnahmen abgelassen. Der Untergrund bestand aus ca. hüfthohem Schlamm und noch etwas Wasser. Vor Ort stellten wir fest, dass es für uns nicht möglich war die ca. 2 m hohen glatten Holzwände des Weihers hinabzusteigen da wir danach sofort im Schlamm einsanken - das Gewicht des Bibers trug der Schlamm jedoch sodass dieser sich unseren Fangversuchen entziehen konnte. Ich erinnerte mich dann an eine Geschichte eines anderen Biberberaters der vor Jahren einen Biber aus einem Betonbecken einer Kläranlage befreite indem er eine leere Mülltonne an einem Strick herunter lies und der Biber diese “sichere Höhle” sofort annahm und dann mitsamt der Tonne aus dem Becken gezogen werden konnte. Mein Bekannten fuhr dann schnell nach Hause um einen leere Mülltonne zu holen welche wir dann auch an einem Strick in den Weiher hinab liesen. Der Biber ging auch sofort auf die Tonne zu, drehte jedoch direkt davor ab. Dies ging noch ca. 30 mal so: der Biber ging zielstrebig auf die “sichere Röhre” zu, drehte jedoch direkt davor ab. Etwas ratlos und resiginert, dass dieser Trick nicht funktionierte, organisierten wir uns dann einen Fischkescher und ich platzierte mich damit in einer Ecke des Weihers wo noch Wasser vorhanden war. Mein Bekannter trieb dann den Biber mittels klatschen und kleiner Stöckchen die er in seine Richtung warf in meine Richtung. Ich konnte den jungen Biber dann mit dem Kescher einfangen und hoch ziehen. Gerade als ich den Biber über den Rand des Fischweihers hatte, hatte er auch schon das Netz zerbissen. Ich setzte ihn noch gerade auf den Boden als das Netz komplett durch war. Der Biber schaute mich an, ich schaute ihn an und dann versuchte ich ihn, erfolgreich, in den nächsten Fischweiher in dem noch Wasser war zu treiben. In diesem angekommen, schwamm er davon.

Wir genossen dann noch, nach der Rettungsaktion, ein kühles Bier am Weiher und mein Bekannter erzählte nebenbei, dass er doch extra nicht die Hausmülltonne genommen habe weil diese gestunken hat. Er nahm extra seine “saubere” Tonne in welcher er im Winter immer seine Füchse vor der Entsorgung zwischen lagerte. Als er diesen Satz erzählte, fiel es uns nun wie Schuppen von den Augen: dem Biber war es wohl nicht so wohl, in eine dunkle Röhre zu kriechen die nach Fuchs riecht!

Wir konnten von da an nur noch über unser Missgeschick lachen. Auch heute noch, bei jedem Mal wenn wir uns sehen, müssen wir über diese Situation herzlich lachen.

Während unserer Biber-Rettungsaktion waren wir natürlich das Gespräch des Dorfs und hatten von Minute zu Minute mehr Zuschauer. So konnten wir zusammen im Sinne des Wildes Öffentlichkeitsarbeit leisten und dabei noch einem Lebewesen in seine Freiheit verhelfen.