Als Jungjäger? Ruhig sein!
Grüß Gott,
viele Jahre habe ich mir gesagt, nächstes Jahr machst Du Deinen Jagdschein, aber das Leben ließ sich nicht planen und die Jahre vergingen. Der Wunsch, oder schon fast ein Traum, blieb bestehen. Warum? Ich dachte Jäger wären eine tolle Gemeinschaft. Die Achtung vor dem Leben, der Umwelt und ein Hauch Abenteuer? Sicher eine Mischung aus derlei Gedanken und natürlich sehr leckeres Fleisch.
Dieses Jahr ist endlich „nächstes Jahr“ und ich befinde mich in der Ausbildung zum sog. grünen Abitur!
Der Unterricht ist ok, die Ausbilder mit Leidenschaft am Werk und es ist wirklich viel zu lernen. Ein wenig aufgebläht und manch Inhalt fraglich in Bezug auf die Notwendigleit dieses im späteren Jägerleben wissen zu müssen; aber auch der Inhalt gehört halt dazu. Die Ausbildung ist ein echter Zeitfresser und benötigt den Rückhalt der Familie.
Sehr erfrischend ist die Offenheit der Ausbilder. Die haben eine Meinung und sind nicht scheu diese zu vertreten, auch wenn sie zum Offiziellen oder rechtlichen Inhalt konträr ist. Das ist selten heutzutage, gefällt mir jedoch sehr, auch wenn ich die Ansichten nicht zwingend teile.
Als junger Knabe war ich mal mit zur Jagd. Was für ein Erlebnis! Und nun, Jahre später, um ein wenig aus dem Lehrbuch den Schwenk in die Praxis zu bekommen besuchte ich einige Gesellschaftsjagden. Treiber kann die Jägerschaft nie genug haben und wenn man in der Kjs oder den Landesforsten nett anfragt findet man sicher auch ein offenes Ohr und darf als Treiber mitgehen.
Spannung und Vorfreude!
Gibt es eine Ansprache? Sind Bläser vor Ort? Welche Hunde? Darf ich beim Aufbrechen zusehen?
Es war ein schöner Spaziergang durch den Wald, wir sind es ruhig angegangen, haben nicht besonders viel Lärm gemacht und mir wurde nebenbei so manches im Wald gezeigt. Danke!
Staunen!
Die ersten erlegten Stücke wurden zum Sammelplatz gebracht und umgehend versorgt. Saubere Schüsse, ein eingespieltes Team beim Aufbrechen und eine nette Atmosphäre.
Ernüchterung!
Wo sind die sauberen Schüsse geblieben? Was ist passiert?
Ein Großteil der erlegten Stücke war Waidwund geschossen. Zerfetzte Bäuche, kaputte Beine und Treffer auf die Keulen! Im Unterricht wird Waidgerecht groß geschrieben, der Respekt vor dem Tier gepredigt und im Zweifel soll der Finger gerade bleiben. Die Stimmung der Jäger ist ungetrübt. Die miserable Leistung der Schützen wird weggelächelt.
„kannst alles rausschneiden“, oder „für die Hunde reicht es noch“ und „das geht als ganzes in den Schredder“ und nicht zu vergessen was alles auf den Luderplatz kommt…
Einzelfall, Schwamm drüber! Oder?
Ich ging erneut mit. Tiefer Schnee. Das Wild reduziert laut Ausbildung den Stoffwechsel und wir sollen es aufscheuchen? Ernsthaft? Bei der Ansprache wird die Jagd bestimmt abgesagt. Wird sie doch? Oder?
Entweder interessiert es keinen oder ich habe mich geirrt. Ist sehr viel Lerninhalt, sicher habe ich das falsch in Erinnerung. Hhmmm, wenige gute Schüsse. Oh, was hat das Tier? Entzündung? Bedenkliches Merkmal? Ein führendes Tier wurde erschossen und die Spinne war derart prall, dass ich es für etwas abnormales und entzündetes hielt.
Was war schlimmer für mich? Der Gedanke an das waise Kalb, es stirbt oder mückert? Oder die Gleichgültigkeit der Jägerschaft? Kein Tadel, keine Erwähnung, keine Mahnung. Die tote Mutter wurde erneut getötet - durch Totschweigen. Hofft der Jäger in so einem Fall, dass das Kalb sich in das Frühjahr quält und er dann innerhalb der Schonzeit wieder wild ballern kann? Entschuldigung, mein Fehler! Das nennt sich Hegeschuß und klingt auch viel waidgerechter!
Ich sprach mit einem Ausbilder für Jagdrecht über diese Einzelfälle. Es sind doch Einzelfälle? Oder?
Wie soll ich damit umgehen? Mit dem Erlebten, und der wie mir gesagt wurde gängigen Praxis. Wasser predigen und Wein saufen. Sind denn alle Jäger schießgeile Narzissten, die sich für Gott in grün halten?
Mir wurde folgender Rat gegeben: Sprich die Mißstände an, immer und immer wieder! Du hast Recht und deren Verhalten ist falsch und erst recht nicht waidgerecht. Deren Verhalten kann zum Verlust des Jagdscheines führen.
ABER
mir als angehender Jungjäger,
mir als Schüler einer Jagdschule,
mir als zukünftiger Prüfling in der mündlichen Prüfung wurde geraten: Ruhig sein und ruhig bleiben!
Wenn Du möchtest, dass viele wissen wer Du bist, denn Deinen Namen werden sie sich merken, sprich alles an, aber
als Jungjäger ruhig sein und ruhig bleiben!
DU SETZT DICH ALS JÄGER
FÜR NATUR UND WILD EIN?
Ich plane die Prüfung zu bestehen um dann dem Rat unseres Ausbilders zu folgen.
Sprich die Mißstände an, immer und immer wieder!
