Im Einklang mit der Natur
Bereits als Schülerin hatte ich die Ehre, einen äußerst passionierten Jäger einige Male in seinem Revier begleiten zu dürfen und durch ihn spannende Einblicke in jagdliche Abläufe erhalten zu können. Leider verhinderten erst eine Berufsausbildung, dann das Studium eine ernsthafte Weiterverfolgung des Waidwerks. Nach dem nervenaufreibenden Staatsexamen entschied ich mich, einen Jagdkurs zu absolvieren und war überaus froh, dass der Jäger aus meiner Schulzeit sich sofort bereit erklärte, mich nun in seinem Revier anzulernen und auszubilden. Ein besonderes Erlebnis stellte dabei unsere erste gemeinsame Jagd auf Schwarzwild im März dar: Nachdem sich beim nächtlichen Ansitz auch nach zwei Stunden kein Stück gezeigt hatte, entschieden wir uns, durch den Wald zur nächsten Lichtung zu pirschen. Kaum waren wir dort angekommen, erblickten wir im hellen Licht des Frühlingsmondes eine Rotte und mein Ausbilder konnte ohne große Mühe eine Überläuferbache auf 167 Meter erledigen. Mein Herz raste - die Bache fiel im Feuer. In der Wärmebildkamera konnte ich plötzlich erkennen, dass die älteren Tiere zwar unmittelbar nach dem Schuss absprangen, dass jedoch ein Frischling etwa 20 Meter von der Bache entfernt verharrte. Sofort teilte ich meinem Ausbilder diese Beobachtung mit und es gelang ihm, auch dieses Tier zu erlegen. Wir versorgten die beiden Stücke, hoben sie ins Jagdauto und brachten sie in die Wildkammer. Mittlerweile war es 2 Uhr morgens. Wenige Tage später konnten wir die Tiere zerwirken - als Dank für meinen Einsatz schenkte mein Ausbilder mir den Frischling, da ich leidenschaftlich gerne Wildpret zubereite.
Knapp ein halbes Jahr später bestand ich die praktische Jägerprüfung und denke gerne an diese aufregende Nacht zurück. Die Eindrücke, die ich hierbei gewonnen habe, prägen mein großes Interesse für unsere Natur, Tiere und Hege sowie mein Verantwortungsbewusstseins gegenüber der Umwelt nachhaltig.




