Yehor
Seit Jahren beschäftigte mich der Gedanke dem Leid der Wildtiere, das ihnen bei der Mahd zugefügt wird, etwas entgegen zu setzen. Mit Eintritt in die Rente habe ich mich 2021 entschlossen eine leistungsfähige Drohne mit Wärmebildtechnik zu kaufen und ehrenamtlich in der Rehkitzrettung tätig zu werden. Meinen Mann musste ich nicht lange davon überzeugen mit anzupacken. Wir haben zunächst unsere ortsansässigen Bauern über unseren Service informiert, der auch gerne angenommen wurde. Die Geschichte wurde zum Selbstläufer. Mittlerweile verfügen wir über ein Netzwerk von Bauern und Jägern, die toll mitarbeiten. Waren es 2021 noch ca. 140 ha, die abgesucht wurden, steigerte sich die Fläche in 2022 auf ca. 370 ha mit 85 geretteten Kitzen. Die Saison 2023 ist noch nicht zu Ende und wir sind schon wieder bei 80 Kitzen angekommen. Es konnten auch Vogelgelege gekennzeichnet und so gesichert werden. Selbst für Rentner ist die Zeit der Kitzrettung eine anspruchsvolle, anstrengende Zeit. Die morgendlichen Sonnenaufgänge und die Blicke der geretteten zarten Geschöpfe sind aber Entschädigung genug für all die Anstrengungen.
Im Jahr 2022, nach Beginn des Ukrainekrieges, lernten wir eine Mutter und ihren 13jährigen Sohn Yehor kennen. Sie waren nach Deutschland geflüchtet. Yehor war nach kurzer Zeit etwas schwermütig geworden. Wir ermunterten ihn doch mal mit zur Kitzrettung zu gehen, wozu er sofort bereit war. Nach der ersten Aktion war er nicht mehr zu bremsen und wollte jede freie Minute mit dabei sein. Er stand regelmäßig um 4 Uhr ausgerüstet mit Gummistiefeln bereit. Er hat in der Saison 2022 alleine 30 Kitze gerettet oder vergrämt und sich in kürzester Zeit zum Profi entwickelt und so wieder etwas Lebensfreude gefunden. Auch in der diesjährigen Saison ist Yehor wieder mit Freude dabei. So konnten wir nicht nur der Tierwelt helfen. Neben dem unbeschreiblichen Glücksgefühl so ein zartes, zerbrechliches Wesen in Händen zu halten, um es zu retten; ist es auch das Glücksgefühl Yehor geholfen zu haben wieder mehr Lebensfreude einkehren zu lassen.
